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Pressemeldung der SHZ vom 30.3.14

SHZ vom 30.3.14

Die Landesvertreterversammlung des NABU Schleswig-Holstein bestätigte seinen Vorstand mit Hermann Schultz als Vorsitzendem im Amt.
Umweltminister Habeck stellte sich der Kritik der Naturschützer zum Thema Stellnetze. Hier schlug ihm größtes Unverständnis zu den freiwilligen Vereinbarungen mit der Fischerei entgegen.
Habeck gab allerdings auch ein Resumee von Fortschritten für den Naturschutz und für die Zukunft kündigte er ein neues Naturschutzgesetz für das Land an. Verankert werden soll u.a. auch, dass künftig 10 Prozent der Landesforsten als Naturwald ausgewiesen werden.
Presse: SHZ vom 30.3.2014

Die extensive Beweidung mit Rindern, manchmal auch mit Pferden und Schafen, wird als die wohl effektivste Pflegemaßnahme für größere Naturschutzflächen anerkannt.

Koniks

Beweidung halboffener Landschaft auf der Geltinger Birk. Foto: G. Herchet

Ziel ist in den meisten Fällen die Entwicklung halboffener Landschaftsbereiche, deren von Büschen und Bäumen, Feuchtgebieten und oftmals auch Trockenflächen durchsetzte Gras- und Staudenfluren in ihrer Strukturvielfalt einer großen Zahl an Pflanzen- und Tierarten Lebensraum bieten. Die Extensivbeweidung dient jedoch nicht nur dem Naturschutz. Sie bindet die Landwirtschaft mit ein und gibt dieser selbst für anderweitig ökonomisch und ökologisch nicht tragfähig zu bewirtschaftende Flächen eine Perspektive. Wie bei fast allen landwirtschaftlichen Segmenten ist auch sie auf Agrarbeihilfen aus dem EU-Haushalt angewiesen. Und genau diese werden ihr jetzt von der staatlichen Landwirtschaftsverwaltung streitig gemacht.
Einen ausführlichen Artikel zu dem Thema lesen Sie beim NABU Schleswig-Holstein

Das eigentlich durch europäisches Recht streng geschützte artenreiche Grünland wird in dramatischem Ausmaß zerstört.

 

Wiese

Wiese mit Bachlauf

Dies ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen Studie des NABU zur Situation von artenreichem Grünland im süddeutschen Raum. „Es ist ein Versagen der Agrarpolitik, dass unsere Bauern blumenbunte Wiesen und artenreiche Weiden nicht länger erhalten können. Hier brauchen wir dringend einen Kurswechsel“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Die NABU-Studie betrachtet die Entwicklung des durch die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) geschützten Grünlands an verschiedenen Standorten in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern. Den Erhebungen zufolge gingen innerhalb von fünf Jahren in den untersuchten Gebieten durchschnittlich 35 Prozent Grünland verloren, in einzelnen FFH-Gebieten sogar bis zu 54 Prozent. Die Gründe dafür liegen vor allem in der Intensivierung und Umwandlung der Wiesen in Ackerland.

Extensiv genutztes, artenreiches Grünland ist ein aus Naturschutzsicht prioritärer Lebensraum von besonderer Bedeutung. Etwa 50 Prozent aller in Deutschland vorkommenden Pflanzenarten sind diesen Flächen zuzuordnen. Zudem ist artenreiches Grünland von hohem landschaftskulturellem und ästhetischem Wert und prägend für zahlreiche Tourismusregionen. Trotzdem findet die schleichende Entwertung dieser Wiesen und Weiden bislang wenig Beachtung. Der hohe Intensivierungsdruck ergibt sich aus niedrigen Preisen für Milch und Rindfleisch sowie zunehmend auch aus der Förderung der Biogaserzeugung. „Erhebliche Verschlechterungen des Erhaltungszustands von europäisch streng geschütztem FFH-Grünland sind rechtlich nicht vertretbar“, so Tschimpke. Der NABU prüfe daher juristische Schritte gegen diese politisch subventionierte Naturzerstörung. „Die Ergebnisse machen deutlich, dass eine Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik nach dem Prinzip ‚Geld gegen Leistung‘ überfällig ist, damit die Pflege und Nutzung von artenreichem Grünland für Landwirte wieder eine attraktive Perspektive bietet“, sagte NABU-Agrarexperte Florian Schöne.

Endlich Grillwetter! Aber bitte dabei auch an den Klimaschutz denken!
Jedes Jahr landen etwa 300.000 Tonnen Holzkohle auf Deutschlands Grills. Leider ahnen die meisten Grillfans nicht, dass sie Tropenholz verfeuern, denn auf den Verpackungen ist nicht gekennzeichnet, woher das Holz stammt. Doch knapp zwei Drittel der benötigten Holzmenge stammt aus südamerikanischen Tropenwäldern, aus Argentinien, Paraguay und Bolivien. Da Tropenwälder jedoch unerlässlich für den Schutz des Weltklimas und den weltweiten Artenbestand sind, ist jeder Einschlag für Grillkohle ein schwerer Schlag für den globalen Klimaschutz. Das heißt jedoch nicht, dass umweltbewusste Konsumenten auf das „Kochen“ im Freien verzichten müssen, denn mittlerweile gibt es klimaschonende Kohlevarianten, beispielsweise aus Olivenkernen.

Die Firma OlioBric stellt Briketts aus den Abfällen der Olivenölpressung, aus Kernen, Schalen und Fruchtfleischresten, dem sogenannten Oliventrester, her. In Griechenland ist die Heizkraft der Rückstände seit Langem bekannt, dort werden sie unter anderem zu Brennstoff für Pelletöfen verarbeitet. In Deutschland bietet das Verfahren nun eine umweltfreundliche Heiz- und Grill-Alternative, denn die Briketts werden nicht nur nachhaltig, sondern auch müllvermeidend produziert. Auch für den Spaß am Grillen bringen die Olivenkernbriketts einige Vorteile mit: Sie zünden sehr schnell, brennen länger als herkömmliche Holzkohle und entwickeln weniger Rauch und Funkenflug – sie sind daher auch besonders geeignet für das Grillen auf Terrasse und Balkon.

Auf dem deutschen Markt sind die OlioBric Briketts unter anderem in OBI-Baumärkten für 7,99 Euro je Drei-Kilo-Sack erhältlich. Mit jedem verkauften Sack geht außerdem ein fester Betrag an den NABU, als Unterstützung für seine Natur- und Umweltschutzprojekte.

Studien zeigen, dass durch immer weniger naturbelassene Flächen der Anteil anderer Bestäuber sinkt – eine riskante Entwicklung.

Sandbiene

Sandbiene beim Besuch einer Mandelblüte - Foto: A. Klein

Naturbelassene Flächen werden nicht nur in Deutschland immer seltener. Gerade für Landwirte ist diese Tendenz riskant, weil sie die Abhängigkeit von der Honigbiene verstärkt. Grund: Mit wachsender Entfernung von naturbelassenen Habitaten verringert sich die Vielfalt anderer Bestäuber dramatisch. Sie fallen dann als Alternative zur Honigbiene zumindest teilweise aus. Das zeigen zwei internationale Studien unter Federführung der Leuphana Universität Lüneburg. In dieser Situation können Krankheitserreger wie die Varroamilbe, die mitunter ganze Bienenvölker dahin raffen, auch die Landwirtschaft empfindlich treffen.

Ackerbohne, Blaubeere, Kirsche, Mandel oder Raps sind auf Insektenbestäubung angewiesen. Sie bilden sonst weniger Früchte oder sogar gar keine. Je weiter nun der Abstand solcher Pflanzen zu naturbelassenen Flächen in ihrer Umgebung, desto seltener und unregelmäßiger werden sie von Hummeln, Käfern oder Wildbienen besucht. „Mit wachsender Entfernung von naturbelassenen Habitaten verringert sich die Vielfalt der Blütenbesucher dramatisch“, sagt Professorin Dr. Alexandra M. Klein von der Leuphana Universität Lüneburg. „Im Schnitt sinkt die Artenzahl in einer Entfernung von einem Kilometer zur nächsten Naturhabitat um mehr als ein Drittel.“ Auf den heute üblichen großen Ackerflächen fallen diese Insekten also als Bestäuber mehr oder weniger aus.

Ein Grund: Die meisten Bestäuber fühlen sich in blütenartenreichen Biotopen am wohlsten. Außerdem ist der Aktionsradius der meisten wildlebenden Blütenbesucher eingeschränkt; sie entfernen sich selten weiter als einen Kilometer von ihren Nestern. Als direkte Konsequenz erfolgen die Besuche in großen Monokulturen nicht mehr so kontinuierlich, sondern unterliegen deutlichen Schwankungen. Dadurch wird nicht mehr jede Blüte bestäubt und die Pflanze bildet weniger Früchte. Dieser Effekt ist gravierend, wie Klein zusammen mit Kollegen zeigen konnte: Um durchschnittlich 16 Prozent sank der Fruchtansatz in einer Entfernung von einem Kilometer zur nächsten naturbelassenen Fläche.

Honigbiene muss den Ausfall kompensieren

Und diese Abnahme könnte noch deutlich größer sein, wenn es nicht die Honigbiene gäbe. Sie stellt laut Studie im Schnitt immerhin die Hälfte aller Blütenbesucher und ist daher mit großem Abstand der wichtigste Bestäuber. Honigbienen lassen sich zudem leicht in großen Kolonien halten. Daher nutzen manche Landwirte sie, um ihre Erträge zu erhöhen: Sie bitten Imker, ihre Bienenstöcke gezielt in den Feldern zu platzieren. „Honigbienen finden wir daher so gut wie in jeder Landschaft“, sagt Klein. „Sie können den Verlust anderer Blütenbesucher größtenteils kompensieren – allerdings eben nicht komplett.“

Aber auch aus einem anderen Grund sollten Landwirte nicht einseitig auf die Honigbiene setzen. Denn was würde etwa mit einer Obstplantage passieren, wenn diese als Bestäuber ausfiele? Ganz einfach: Die Bäume würden viel weniger Früchte bilden. Ganz unwahrscheinlich ist dieses Szenario nicht. Beispielsweise sind Honigbienen wasserscheu und fliegen kaum bei Regenwetter. Außerdem machen ihnen Schädlinge wie die Varroamilbe zu schaffen, die ganze Völker dahin raffen kann. „In den letzten fünf Jahren beobachten wir zudem weltweit, dass immer mehr Honigbienen-Völker in den kalten Jahreszeiten nicht überleben“, sagt Klein. Fälle wie diese können theoretisch gerade in großen Monokulturen zu erheblichen Ernteausfällen führen, warnen die Forscher.

„Landwirte, die in ihren Plantagen und Ackerflächen Platz für naturbelassene Inseln lassen, könnten sich von der Honigbiene emanzipieren und dieses Risiko minimieren“, betont Klein. Allerdings dürfen diese Inseln nicht zu klein sein, konnte sie zusammen mit US-Kollegen bei der Untersuchung von Mandelplantagen in Kalifornien zeigen. „Nur wenn viel natürliches Habitat um die Plantagen liegt, konnten wir eine Erhöhung des Fruchtansatzes feststellen“, sagt sie. „Diese fällt noch größer aus, wenn die Plantagen nach ökologischen Richtlinien bewirtschaftet wurden.“

„Wir sollten ökologische Ressourcen auch als einen wichtigen ökonomischen Faktor betrachten“, erläutert sie. In Lüneburg haben sich zu diesem Zweck Umweltökonomen und Ökologen mit internationalen Experten aus verschiedenen Disziplinen zusammengetan und das Zentrum „FuturEs“ gegründet (die Abkürzung steht für „Futures of Ecosystem Services”; zu deutsch „Zukunft von Ökosystem-Dienstleistungen”). Klein zählt zu den Gründungsmitgliedern. Das Thema Nachhaltigkeitsforschung zählt zu den vier Wissenschaftsinitiativen, denen sich die Leuphana Universität verschrieben hat. Die Universität unterstützt FuturEs daher auch bis zum Jahr 2015 mit einer viertel Million Euro.

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