Vogelbeobachtungen 2011

Vogelkundlicher Bericht 2011 der NABU-Gebietsreferenten

2011 wurden auf dem Gebiet der Geltinger Birk (NSG, inklusive der außerhalb liegenden Stiftungsflächen) insgesamt 210 verschiedene Vogelarten beobachtet.

Gänsezug

Zug der Nonnengänse. Foto: G. Herchet

Mit maximal 98 Brutvogelarten beherbergt die Birk eine enorme Artenvielfalt von denen 4 Arten im Anhang 1 der FFH-Richtlinie geführt werden (Rohrweihe, Zwergseeschwalbe, Tüpfelsumpfhuhn und Neuntöter).

Hinzu kommt der Seeadler, der seit mindestens 4 Jahren im ca. 5 km entfernten Rundhof brütet und sein Hauptjagdgebiet auf die Geltinger Birk legt, sowie seit 3 Jahren wiederkehrende Brutzeitbeobachtungen vom Schwarzspecht, der 2008 auf Beveroe gebrütet hat und 2011 im Mai wiederholt dort gesehen wurde.

Küstenseeschwalbe

Küstenseeschwalbe. Foto: M. Fischer

In der Roten Liste Schleswig-Holsteins (5.Fassung) sind 22 Arten (Stark gefährdet: Sandregenpfeifer, Bekassine, Zwergseeschwalbe (2 Paare), gefährdet: Wachtel, Tüpfelsumpfhuhn (1 Paar), Kiebitz, Feldlerche, Braunkehlchen (1 Paar), Vorwarnliste: Knäkente, Rebhuhn, Rotschenkel, Sturmmöwe, Kuckuck, Neuntöter, Dohle, Wiesenpieper sowie Arten mit nationaler Bedeutung: Brandgans, Schnatterente, Löffelente, Gänse- und Mittelsäger, Austernfischer) aufgeführt, die in der Geltinger Birk 2011 ein Brutrevier gebildet haben.

Verschwunden sind hingegen leider mit Wachtelkönig und Brandseeschwalbe zwei Vogelarten aus der höchsten Gefährdungsklasse.
Hervorzuheben sind die Bruten von Blaukehlchen (2 Paare, Neuansiedlung), Karmingimpel (1 Revier), 26 Neuntöter-Reviere, auffällig viele Wachteln und die Brut eines Kranichpaares, das den ersten Kranichjungvogel der Birk hervorgebracht hat. Leider wurde der Vogel nicht flügge, sondern verschwand im Alter von ca. 3 Wochen. Ebenfalls bemerkenswert ist die hohe Brutdichte der Feldlerche, die mit schätzungsweise 50 Brutpaaren vorkommt und außerhalb der Birk immer seltener wird. Für alle wichtigen Rote Liste- und Küstenvögel haben wir detaillierte Kartierungen durchgeführt, die in unserem Jahresbericht nachgelesen werden können.

Singschwäne

Singschwäne. Foto: G. Herchet

Im mittlerweile dritten Jahr wurden v.a. im Frühjahr regelmäßig Zugplanbeobachtungen an der Birk-Nack gemacht. Auch der Herbstzug wurde 2011 hauptsächlich im September und Oktober erfasst, so dass über 220.000 durchziehende Vögel registriert werden konnten.
Dies unterstreicht erneut die enorme Bedeutung der Birk als Sprungbrett und Rastgebiet für Zugvögel auf ihrem Weg.

Vom 8. Februar bis 19. Mai wurde an 22 Tagen 99,5 Stunden gezählt, auf dem Herbstzug vom 26.Juni bis 30.Oktober an 36 Tagen 162,25 Stunden. Insgesamt konnten wir 2011 also 261,75 Stunden Vogelzug erfassen. Im Frühjahr 2011 sind z.B. knapp 26.000 Dohlen und 35.000 Ringeltauben durchgezogen. Beeindruckend sind auch die Besonderheiten wie Dunkler Sturmtaucher, Löffler, Steppenweihe, Krabbentaucher, Wendehals oder Schmarotzerraubmöwen. Insgesamt konnten 157 verschiedene Zugvogelarten unterschieden werden!

In den nächsten Jahren wollen wir durch erhöhte Beobachtungsintensität ab Mitte April neue, wertvolle Zugdaten gewinnen. Aus diesem Zeitraum liegen bisher wenige Planzugerfassungen vor. Für dieses Vorhaben brauchen wir aber dringend mehr Unterstützung und laden alle Interessierten ein, uns einmal im Frühjahr auf einer Frühzählung zu begleiten.

Stare

Ziehende Stare. Foto: M. Fischer

Ab September 2011 haben wir außerdem die Internationale Wasservogelzählung für den Abschnitt Wackerballig bis Falshöft übernommen, wo von September bis April jeweils zur Monatsmitte alle Wasservogelarten gezählt werden. Dies hatte bisher Herr Klaus Kähler, Kappeln, von der OAG ( Ornithologische Arbeitsgemeinschaft ) gemacht. Klaus Kähler zählt die Wasservogelarten weiterhin von Falshöft bis Im Januar/Februar hielten sich z.B. rekordverdächtige Ohrentaucheransammlungen vor allem vor der Fischerkate auf. Bis zu 63 Ex konnten dort gezählt werden! Dies war in der Tat Schleswig-Holstein-Rekord!

2011 war für uns ein arbeitsreiches, hoch interessantes Jahr in dem wir uns in ein gut funktionierendes System eingliedern durften. Der Spaß an der Arbeit in der Natur überschattete die Anstrengungen der Hüttenbelegung ganz eindeutig. Durchgehende Naturschutzwarte werden in Zukunft hoffentlich durch Bundesfreiwillige erreicht, die dann auch ein Mehr an Qualität mit sich bringen werden.

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