Nachdem der vorige Investor 2012 aus dem Projekt ausgestiegen war, da dieser die Umweltschutzauflagen der Naturschutzbehörden des Landes nicht umsetzen wollte, ist nun ein weiterer Investor an dem Gebiet interessiert.

Das 236-Betten-Projekt wäre zwar von den Planungen her, die auch einige Naturschutzaspekte berücksichtigen, möglicherweise ein positiv zu bewertendes Projekt, wenn es denn nicht gerade mitten in das Landschaftsschutzgebiet der Geltinger Birk gebaut werden sollte.

Der NABU hat hierzu im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung eine Stellungnahme abgegeben, die Sie in dieser PDF-Datei nachlesen können.


 

In der aufgegebenen Kaserne Sandkoppel in der Gemeinde Nieby in unmittelbarer Umgebung des Naturschutzgebietes Geltinger Birk plante ein Investor 2012 den Bau eines Reiterhofes mit Unterkünften für Tourist/innen.
Was sich zunächst wie ein Projekt anhörte, das sich im Sinne des ’sanften Tourismus‘ gut in die Landschaft einpassen könnte, entpuppte sich dann als 500-Betten-Ferienanlage, deren bebaute Fläche sogar noch über die der ehemaligen Kaserne hinausgehen sollte. [Die damalige Kaserne umfasste 150 Betten.]

Nach den Aussagen der Landesplanung von 1995 und 2005 wurden Erweiterung der Bettenzahl über 150 + 10% abgelehnt und der Kreis ergänzte in einem Schreiben 2005 sogar noch, dass die ehemalige Kasernenanlage nach der endgültigen Aufgabe der militärischen Nutzung nun keinen Bestandsschutz mehr genießt.

Umso unglaublicher klang für den NABU Ostangeln nun, dass es grünes Licht für ein derartiges Großbauvorhaben am Rande der Geltinger Birk, des sensibelsten Naturschutzgebietes des Kreises Schleswig-Flensburg, geben sollte.

Der Vorstand des NABU Ostangeln hat sich intensiv mit den Planungen auseinandergesetzt und das Vorhaben schließlich einstimmig abgelehnt.
Eine entsprechende Stellungnahme wurde verfasst:

Offizielle Stellungnahme des NABU vom 14.05.2012:

Aus Sicht des Vorsitzenden des NABU-Ostangeln stellt das Projekt „Reit- und Naturresort Geltinger Birk“ einen nicht ausgleichbaren Eingriff in Landschaft und Natur dar. Weitere Planungsschritte in Richtung des vorgesehenen Ferienresorts werden unter Hinweis auf die Größenordnung (ca. 500 Betten, 65.000 bis 85.000 Übernachtungen, zusätzliche Bodenversiegelung von ca. 26.000 m² auf insgesamt 43.000 m² bei einer Gesamtfläche von ca. 82.000 m² – in Relation zur Größe der Gemeinde Nieby mit z.Z. ca. 160 Einwohner) abgelehnt, zumal die geplante Bebauung unmittelbar ohne Abstandsflächen an das Schutzgebiet „Geltinger Birk“ grenzt (das Plangebiet ist umschlossen von der großen Fläche der „Stiftung Naturschutz“ der „Geltinger Birk“; an die Kaserne und die nordwestlich sich hinziehende Kliffkante schließt die geplante Wiedervernässungsfläche an, die u.a. einer ornithologischen Wertsteigerung der „Geltinger Birk“ dienen soll).
Unter Hinweis auf die Ergebnisse der seit 1995 zu verschiedenen Projektansätzen geführten Abstimmungsgespräche, wonach bei einer Umnutzung der Sandkoppelkaserne im Wesentlichen auf den Gebäudebestand abzustellen ist, wird die Frage aufgeworfen, warum seitens der Landesbehörden von der damaligen Bewertung abgerückt wird, zumal die ehemals landwirtschaftlich genutzte Fläche der Birk außerhalb des Naturschutzgebietes nach Aufkauf durch die Stiftung Naturschutz als „halboffene Weidelandlandschaft“ und „vorgesehene Wiedervernässungsfläche“ eine neue naturschutzintensive Wertigkeit erhalten hat. Da der Standort im Verhältnis zu 1995 noch sensibler geworden ist, kann die geplante bauliche Erweiterung in Verbindung mit der vorgesehenen Bettenzahl sowie einer erheblichen Inanspruchnahme bislang unbebauter Flächen innerhalb und außerhalb der Umzäunung aus naturschutzrechtlicher Sicht nicht mitgetragen werden.
Aus Naturschutzsicht sind auf Basis der Angaben in der Projektskizze folgende Aspekte negativ zu beurteilen:

  1. Größenordnung des Vorhabens (Bettenzahl, prognostizierte Auslastung, Zahl der Übernachtungen) à Die Wanderwege der Birk (vor allem der Rundwanderweg auf dem die Birk umgebenden Deich) wird z.Z. von etwa 50.000 bis 80.000 Touristen / Besuchern jährlich genutzt; diese Zahl würde sich mit der vorgelegten Planung verdoppeln. Damit wäre eine nicht verantwortbare Belastung des Gebietes verbunden, da die Stoßzeiten in den Schulferien, an Feiertagen, an Wochenenden und in der Hauptreisezeit Juni bis September liegen.
    Ziel des Veränderungsprozesses auf der Birk ist u.a. die Wertsteigerung im Naturschutz und hier speziell die Stärkung der Birk als „Vogelzug-Brücke“ an der Flensburger Förde sowie als Brut-, Rast- und Nahrungshabitat. Wo der „sanfte Tourismus“ diesen Reichtum nutzt, da muss er ihn auch bewahren.
  2. Die in der Projektentwicklung „Reit- und Naturresort Geltinger Birk“ vorgestellte Nachnutzung im Innen- und Außenbereich der ehemaligen Kaserne stellt eine konzentrierte Zersiedelung im Außenbereich der Gemeinde Nieby dar.
  3. Wie in allen anderen Fällen der Aufgabe von Kasernen entfällt das Sondernutzungsrecht, so dass ein Rückbau erfolgen muss.
  4. Angesichts des Alters und der langjährigen Unternutzung wird vermutlich ein Abriss der baulichen Anlagen erforderlich. Die Gebäudesubstanz wird den gehobenen Ansprüchen des geplanten Ferienresorts sowie den heutigen energetischen Vorgaben nicht genügen können. Daher wird das Gelände bis auf vorhandene Bunker in den Zustand einer „unbebauten Fläche“ zurückversetzt.

Nach der vorliegenden „Projektskizze zur Raumordnerischen Abstimmung“ wird eine Entlassung aus dem Landschaftsschutz erforderlich; dieser Herausnahme wird seitens des NABU-Ostangeln aufgrund der erheblichen Erweiterung der versiegelten Fläche und der Gebäudefläche widersprochen.
Aufgrund der Empfehlungen in der Projektskizze zum Ausbau der Privatstraße Sandkoppel wird mit einem erheblich erhöhten Verkehrsaufkommen auch auf der durch den Ortsteil Nieby führenden Straße gerechnet.
Weitere Naturschutzvorbehalte (auf Basis der vorgelegten Unterlagen):

  • Die erhöhte Versiegelung der Flächen widerspricht der hohen Sensibilität dieses Raumes; die diesbezüglichen Ausführungen in der Projektskizze werden als widersprüchlich eingeschätzt.
  • Unter Hinweis auf die Ausführungen im RPl V werden die landes- und regionalplanerischen Vorgaben als „von dem jetzigen Vorhaben nicht erfüllt“ angesehen.
  • Das touristische Projekt wird nicht an vorhandene touristische Anlagen oder Ortschaften angebunden, sondern es stellt einen kompletten Neubaukomplex in Außenlage dar.
  • Dem angesprochenen „besonderen Naturschutzwert der Geltinger Birk“ steht die für diese Region überdimensionierte Planung entgegen.     – Die Planer weisen darauf hin, dass „ein zukünftiger Investor und Betreiber … kaum von vorhandenen touristischen Angebots- und Nachfragestrukturen profitieren“ kann und dass „das Projekt quasi so konzipiert werden muss, dass es aus sich selbst heraus wirtschaftlich funktionieren kann“. Deshalb sollte dem Investor empfohlen werden, sich entweder an Gelting (B-Plan-Gebiet „Vision Leben“) oder an die geplanten touristischen und maritimen Nutzungen in „Port Olpenitz“ anzubinden.
  • Über den Biotopbestand kann von Seiten des Naturschutzes z.Z. keine detaillierte Aussage gemacht werden, weil das ehemalige Kasernengelände als Privatbesitz umzäunt und verschlossen ist.
  • In der Projektskizze wird auf den hohen vielfältigen Baumbestand innerhalb des umzäunten Geländes hingewiesen. Dabei handelt es sich inzwischen um Wald im Sinne des Landeswaldgesetzes, der durch die vorgesehene hohe Versiegelung zerstört wird. Neuanpflanzungen von Baumreihen sind kein Ersatz. Erschwerend kommt hinzu, dass das Prinzip der Biotop-Vernetzung zwischen dem Gehölz Pielstoft an der Straße Falshöft, dem Waldbestand im umzäunten Gelände und den vorgesehenen Wiedervernässungsflächen stark beeinträchtigt wird.
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