Stellungnahme des NABU zum „Vorhabenbezogenen B-Plan VEP Nr. 16 der Gemeinde Gelting – Sportboothafen Wackerballig“

Hier die letzte NABU-Stellungnahme aus dem Herbst 2013 als PDF.

Die Geltinger Bucht ist EU-Vogelschutz-  und FFH-Gebiet (Flora Fauna Habitat). Sie ist u.a. ein wichtiges Überwinterungsgebiet für eine Vielzahl von Wasservögeln. Die Geltinger Bucht ist mit geschützten Flachwasserzonen ein einmaliges artenreiches Rückzugsgebiet an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Sie ist ein wichtiges Nahrungs-, Brut- und Aufzuchtgebiet für Fische, Vögel und Meeressäuger, die bei ihrer Nahrungsauswahl auch abhängig sind von den Seegrasbeständen, den Muschel- und Algenfeldern, in den für sie leicht zugänglichen Flachwasserzonen.

Die Geltinger Bucht ist ein international bedeutsames Rast- und Überwinterungsgebiet insbesondere für zahlreiche Enten-, Säger- und Taucherarten. Diese Tatsache war ein Kriterium für die Ausweisung der Geltinger Bucht zum EU-Vogelschutzgebiet, zum FFH-Gebiet und zum Ostseeschutzgebiet nach der Helsinki-Konvention.

Es ist die Ausweisung zum Schutzgebiet mit internationaler Bedeutung (nach Natura 2000), die den besonderen Schutzcharakter der Geltinger Bucht belegt, deren Erhaltung erfordert und sie touristisch über Deutschland hinaus bekannt macht.
Seit Jahren bemühen sich örtliche Naturschutzverbände, wie z.B. der NABU Ostangeln und der NABU Flensburg, darum, dass die Flensburger Förde zukünftig als Meeresschutzgebiet ausgewiesen wird, was dem Schutz der Schweinswale und ihrem Aufzuchtgebiet Geltinger Bucht dienen soll.

Hier ist ein Verweis auf Darstellungen in dem wissenschaftlichen Werk „Marine Protected Areas for whales, dolphins and porpoises“ wichtig, wo auch von dänischer Seite die Flensburger Förde als besonders wichtiges Habitat bezeichnet wird mit dem Hinweis, dass die Flensburger Förde einschließlich der Geltinger Bucht einen besonderen „Hotspot“ für Schweinswale darstellt.
Der Erhalt und die Förderung der Schweinswalpopulation ist auch eine touristische Wertschöpfung für die Region. Sie stellt nämlich ein Alleinstellungsmerkmal dar, weil es in dieser Region die größte Schweinswaldichte überhaupt in deutschen Ostseegewässern gibt. Den Nachweis haben unter anderem akustische Messungen der letzten sieben Jahre ergeben (weitere wichtige Hinweise erteilt der Schweinswalforscher Dr. Andreas Pfander, Kappeln).

Wir müssen verhindern, dass durch eine Ausweitung der bestehenden Sportboothäfen, einen immer noch vorgesehenen „Parkplatz“ für außer Dienst gestellte Tanker und Übungseinsätze der Bundesmarine eine Kumulation (Anhäufung) von Störungen die Geltinger Bucht wertlos macht. Wechselnde Besitzer von Wasserhäusern, die nicht den Bezug zur Geltinger Bucht haben wie z.B. Segler, werden mit ihren z.B. Motorbooten oder Wasserbikes Lärmquellen sein, für alle Lebewesen auf und unter dem Wasser.

Jede zusätzliche Lärmquelle und jede zusätzliche Verschmutzung zerstören auch die Fischbrut im Bereich der Geltinger Bucht (nach IUCN, Abk. für: Internationale Union für die Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen). Der vorliegende B-Plan gibt Auskunft über die nutzbare Wohnraumgröße der schwimmenden Ferienhäuser, informiert jedoch nicht über die Wohnraumausstattung z.B. mit holzbefeuerten Kaminen, was aus Naturschutzgründen wasserseitig abzulehnen ist.
Jede zusätzliche Lärmquelle, ob über ob unter dem Wasser, jedes zusätzliche Lichtband im Wasserbereich – sog. Lichtverschmutzung (besonders in der dunklen Jahreszeit) – und jede zusätzliche Verschmutzung hat negative Folgen auf die Artenvielfalt der Geltinger Bucht.

Zum Thema Lichtverschmutzung wird im B-Plan auf Seite 8 darauf hingewiesen, dass Werbeanlagen „in ihrer Größe und ihrer Art der Beleuchtung eingeschränkt“ werden sollen. Diese dienen nicht der „Sicherheit und Nutzbarkeit der Anlage“ und müssen daher ausgeschlossen werden. Hier verweisen wir nochmals auf die Beeinträchtigung der Vogelwelt durch Lichtverschmutzung. Im Gegensatz zu Seglern dienen die schwimmenden Häuser einer Vielzahl unterschiedlicher Nutzer, wo Störungen nicht auf den Hafenbereich beschränkt sind. Die mögliche ganzjährige Nutzung verstärkt zur heutigen Situation (Winterpause im Hafen) auch die störende Lichtverschmutzung. Dies widerspricht wiederum dem Charakter des EU-Naturschutzgebietes  und damit gehen die Störungen, anders als im B-Plan dargestellt, über die Hafengrenzen hinaus.

Landschaftsbild

Die Geltinger Bucht hat einen besonderen, schutzwürdigen Eigenwert, der auch aus touristischen – wirtschaftlichen Gründen erhalten werden muss. Der Charakter der Geltinger Bucht wird auch geprägt durch ihre waldreichen Uferzonen, besonders an den nord-östlichen  Kliffzonen der Gemeinde Steinberg. Diese  Landschaft mit ihrer eigenen Individualität fördert  in besonderer Weise den Erholungswert für die zahlreichen Besucher, die das mehrfach geschützte Gebiet für den sanften Tourismus nutzen.
Die zehn schwimmenden 4 m hohen Ferienhäuser bilden laut Planung insgesamt eine Front von 100 Metern. Diese Sichtbarriere kann dadurch noch verstärkt werden, wenn auf den Dachterrassen Sonnenschirme und Strandkörbe möglich sind. Auch wenn die schwimmenden Häuser innerhalb des Sportboothafens geplant sind, zerstören sie von Land- und Wasserseite das Landschaftsbild der Geltinger Bucht.

Die Aussage in der Begründung zum B-Plan auf S. 12, dass „die Lage der Häuser (…) auf der Land abgewandten Seite gewählt worden“ sei, hebt die Tatsache nicht auf, dass dem Betrachter von der Landseite, der neugeplanten Uferpromenade, die Sicht auf die waldreiche Kliffseite des nord-östlichen Ufers verwehrt wird. Es ist weiterhin nicht nachvollziehbar, dass bei den genannten Negativ-Faktoren „der Standort Wackerballig als Badeort der Gemeinde Gelting langfristig gesichert und bedeutsam touristisch weiterentwickelt“ werden soll, wo doch auch die Badegäste auf eine Häuserfront blicken. Verstärkt wird der Eindruck von den schwimmenden Häusern als Störfaktor im gesamten Landschaftsbild dadurch, dass jede Farbe für Wände und Dacheindeckung (individuell) möglich sein soll. Auch von der Wasserseite wird dem Betrachter der Blick aufs Ufer versperrt. Somit geht ein erheblicher Erholungswert, den das Landschaftsbild bietet, ohne Ausgleich verloren. Dem vermuteten, scheinbaren wirtschaftlichen Gewinn für die Gemeinde steht ein wirtschaftlicher Verlust an Landschaftsattraktivität gegenüber.
Zur geplanten Anlegestelle für Fahrgastschiffe: Welche Größenordnung, Strecken, Ziele sind geplant? Soll auf dem Strandweg eine Bushaltestelle mit regelmäßigem Busverkehr eingerichtet werden? In dieser Hinsicht gibt der B-Plan keine Auskunft.

Trend: Wasserhäuser statt Liegeplätze

Offensichtlich gibt es einen Trend, überall, wo z.B. Liegeplätze von Segelbooten frei werden, durch Wasserhäuser zu ersetzen. Dies belegt der B-Plan: „Durch ihre besondere Lage besitzen die schwimmenden Ferienhäuser eine herausragende Stellung im Angebote der schleswig-holsteinischen Küsten.“  Diese Entwicklung wird das Bild an der Flensburger Förde und der Schlei verändern. Daher: Wehret den Anfängen! Zum Schutz des einmaligen Landschaftsbildes haben die Küstenländer Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern hier eine besondere Verantwortung, die es von amtlicher Seite wahrzunehmen gilt. Das Landesrecht muss daher durch neue Regeln ergänzt werden.

Zum Thema der Versiegelung: Wir sehen in den Floating-Homes eine nicht wieder rückgängig zu machende „Versiegelung“ der Wasserfläche. Fehler im Bereich der Technik und menschliche Unzulänglichkeiten können schnell zu einer Gefährdung außerhalb des Hafenbereichs werden.

Gepflasterte Promenade

Der Zusammenhang / die Erfordernis zwischen der Anlage der schwimmenden Häuser im Hafenbereich und die Ersetzung des natürlichen Strandweges durch eine gepflasterte Promenade erschließt sich uns nicht. Die Neugestaltung der Promenade stellt eine weitere Bodenversiegelung und damit einen Eingriff in die Uferlandschaft dar, den wir aus Naturschutzgründen ablehnen.

Fragen zu bisherigen Genehmigungen:
Die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Lübeck (Bundesbehörde) hat den schwimmenden Ponton an der Südseite genehmigt. Liegen für die Aufbauten, Hafenmeisterbereich, Toiletten, Bistro mit Dachgarten etc., Genehmigungen nach dem Landesrecht vor? Wir bitten Sie um Antwort zu den gestellten Fragen.
Es gibt keinen Zusammenhang zur Genehmigung bisheriger Aufbauten (s.o.) und einem daraus abzuleitenden weiteren gewünschten Planungsrecht der Gemeinde für Floating-Homes wie es die Beschreibung zum B-Plan benennt.

Schon jetzt erkennbare Negativfolgen für das FFH

Schon jetzt kann man anhand von Luftbildern erkennen, dass westlich des alten Hafens Seegraswiesen durch Ausbaggerung bzw. westlich des neuen Wellenbrechers durch Aufspülung zerstört wurden. Das ist auch südlich des Hafens deutlich zu erkennen. Hier wurden große Mengen Material aufgespült und es ist eine Barriere entstanden. Für viele Organismen ist so eine Ausbreitung und ein Austausch unterbunden worden. Auf den neuen Luftbildern ist auch zu erkennen, wie stark sich die Aktivitäten auf Seegraswiesen, Muschel- und Algenbestände nordöstlich des Hafens ausgewirkt haben.

Im oben genannten Bebauungsplan ist u.a. ein Fähranleger geplant, für den ein mit Sand gefüllter Wellenbrecher vorgesehen ist. Hierzu sind weitere Ausbaggerungen notwendig, bei denen wir die Gefahr sehen, dass weiter in das morphologische Gefüge der Flachwasserbereiche eingegriffen wird.

Stand: 25.02.2013

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